Ach, Januar 2022 … versauern Sie auch manchmal im eigenen Saft? Diese Bücher bieten Abhilfe, denn sie bieten einen eindrücklichen Blick in andere Lebensrealitäten.
Tipp von Christine Burlet, Leitung Mediothek Lachen
«Long Bright River» von Liz Moore
«Long Bright River» spielt in Philadelphia, im von Perspektivlosigkeit und Drogenmissbrauch geplagten Viertel Kensington. Hier wacht die Streifenpolizistin Mickey heimlich über ihre drogenabhängige ältere Schwester Kacey. Als Kinder waren die beiden unzertrennlich, doch nun herrscht seit Jahren Funkstille. Als Kacey plötzlich nicht mehr auf dem Strassenstrich auftaucht, während gleichzeitig ein Frauenmörder sein Unwesen treibt, ist Mickey alarmiert und begibt sich auf die Suche.
Feinfühlig und spannend erzählt Liz Moore die Familiengeschichte von Mickey und Kacey. Während Kaceys Sucht in schlechtester Familientradition steht, kämpft Mickey um Distanz. Hatten die beiden je eine Chance auf ein «besseres» Leben? Der Krimiteil der Geschichte wird zusehends zur Nebensache, während die Autorin ein eindrückliches Porträt einer Stadt in der Krise zeichnet. Der «Long Bright River» übrigens, so erfährt man auf der letzten Seite, ist nicht der Delaware, der durch Philadelphia fliesst …
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Tipp von Lilian Reichmuth, Ausleihteam
«Wenn ich wiederkomme» von Marco Balzano
Der Roman von Marco Balzano handelt von einer Rumänin, die ihren Mann, ihre Tochter und ihren Sohn verlässt, um in Italien als Altenpflegerin zu arbeiten. Mit dem verdienten Geld finanziert sie das Studium ihrer Kinder in Rumänien, damit sie in Zukunft ein besseres Leben führen können. Doch der finanzielle Erfolg führt nicht zum Glück. Die Beziehung zu ihren Patienten in Italien gestaltet sich oft schwierig, sie arbeitet bis zur Erschöpfung und riskiert ihre Gesundheit. Der alkoholsüchtige Ehemann verlässt sie und ein Unfall beendet fast das Leben ihres Sohnes.
Mir gefällt der Roman, da er eine kritische Sozialstudie in eine feinfühlige Geschichte verpackt, obwohl ich mir manchmal wünschte, dass die Charaktere etwas mehr Tiefe hätten.
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Krimi-Tipp von Urs Schütz, Nutzer Mediothek Lachen
«Barrier Highway» von Garry Disher
Wachtmeister Paul Hirschhausen wird gerufen, weil jemand Frauenunterwäsche von der Wäscheleine stiehlt. Aber die unmittelbarere Sorge ist ein Anruf von der High School, wo sich eine Lehrerin Sorgen um eine Schülerin macht, die zu Hause in Gefahr sein könnte. Ein anderer Anruf: ein Mann ist wütend über die Behandlung seiner Tochter durch den Schulleiter. Weiter sind da ein abwesender Vater, der nicht dort ist, wo er sein sollte; ein anderer, der mit einem Gewehr bewaffnet ins Outback flieht; irische Betrüger, die Leute übers Ohr hauen. Familien, die unter Druck stehen. Und das Gefühl, dass etwas sehr, sehr falsch ist.
«Barrier Highway» ist der dritte Roman in Garry Dishers Hirsch-Reihe, nach Bitter Wash Road und Hope Hill Drive. Mit einer wunderbaren Wortwahl («Er blickte in eine müde Küche», «Polizeiarbeit: Eine unablässige Folge von Satzzeichen, meist handelte es sich um Punkte am Ende von Teilergebnissen und zweifelhaften Resultaten…») beschreibt er eine Vielzahl von Charakteren und ihre manchmal absurden Handlungen ebenso wie die grossartige Landschaft Südaustraliens.
In Dishers Buch geht es um mehr als Kriminalität. Hirsch besucht oft Menschen, die am Rande der Stadt Tiverton leben, um nach ihnen zu sehen, eher als Freund denn als Polizist. Einige dieser Menschen sind liebevoll, andere lustig, trocken, exzentrisch oder bedrohlich. Das Schöne an der Geschichte ist der Einblick in das Alltagsleben eines Kleinstadtpolizisten. Dishers Erzählweise ist eher gemächlich, wie die Leute im Outback Australiens eben erzählen, und trotzdem lässt die Spannung nie nach.
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Jugend-Tipp von Aline Burlet, Nutzerin Mediothek Lachen
«Alea Aquarius»-Reihe von Tanya Steiner
Die Buchreihe über das Meermädchen Alea ist spannend und emotional. Mit ihren Freunden, der Alpha Cru, fährt sie mit einem Segelboot über das Meer und entdeckt dabei ihre Geschichte: dass sie ein Meermädchen ist und warum sie bis 12 nichts davon wusste. Zusammen wollen sie die Welt der Meerwesen vor den Gretzern retten. Sie treffen magische Wesen, aber die Bücher sind auch sehr interessant, weil man viel über die reale Welt und über Umweltprobleme erfährt.
Die Hörbücher von Alea sind auch super: Einfach wunderbärchen, wie Sammy von der Alpha Cru sagen würde.
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Tipp von Christine Burlet, Leitung Mediothek Lachen
«Der perfekte Kreis» von Benjamin Myers
Es ist Sommer 1989 in Südengland. Jede Samstagnacht machen sich Redbone und Calvert in grösster Heimlichkeit auf zu einem entlegenen Feld. Ihr Vorhaben: den perfekten Kornkreis erschaffen. Jedes Kapitel erzählt von einer Nacht und lässt uns miterleben, wie von Frühsommer bis Herbst immer grossartigere Formen entstehen. Die beiden Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten, verbindet ein unbändiger Freiheitsdrang, eine starke Abneigung gegen Obrigkeiten und eine tiefe Freundschaft. Den wachsenden Medienhype um das vermeintliche Phänomen lassen die zwei links liegen, denn es geht ihnen um den Respekt der Natur gegenüber und die pure Freude an der Erschaffung rätselhafter, vergänglicher Schönheit.
Der neue Roman von Benjamin Myers ist laut Klappentext eine «berührende Liebeserklärung an die englische Landschaft, die Natur und nicht zuletzt an die Freundschaft». Dem kann ich nur zustimmen. Myers Sätze sind manchmal sperrig, manchmal poetisch, und am Schluss möchte man am liebsten noch einen Sommer mit Redbone und Calvert verbringen.
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