Fabelwesen in Irland, packende Wendungen in Schweden, Illegale Putzkräfte in Deutschland, Inquisition im Italien der Renaissance und Abschied in der Steiermark: wir haben Lesetipps quer durch Europa und längs einer breiten Themenpalette.
Tipp von Lilian Reichmuth, Ausleihteam
«Diebe des Lichts» von Philipp Bloom
Der Autor Philipp Blum, bekannt für seine historischen Sachbücher, entführt uns in diesem Roman in die italienische Renaissance. Er erzählt uns die Lebensgeschichte von Sanders und seinem Bruder Hugo, die als Kinder aus Flandern vor den spanischen Besatzern fliehen mussten. Sanders wird ein berühmter Blumenmaler, während Hugo für ihn die Farben mischt. Wir erhalten Einblick in die Welt der Malerei und können uns ein Bild machen von dieser äusserst konfliktreichen und brutalen Zeit. Auf der einen Seite der Adel, die Kirche und deren Günstlinge, auf der anderen Seite das einfache Volk, das in bitterer Armut lebt. Es ist eine Zeit der Verfolgung, Folter und Inquisition. Auch Sanders erlebt am eigenen Leib, wie schnell man vom gefeierten Maler zum Ketzer wird …
Ein facettenreicher und sinnlicher Roman, ein Gemälde in üppigen Farben, kann ich nur empfehlen!
Link zu «Diebe des Lichts» in unserem Medienkatalog.
Krimi-Tipp von Urs Schütz, Nutzer Mediothek Lachen
„Der andere Sohn“ (1) und „Die andere Schwester“ (2) von Mohlin und Nyström
Der ehemalige, im Drogenmilieu verdeckt ermittelnde FBI-Agent Adderley arbeitet neu in seiner Heimatstadt Karlstadt in Schweden. Im ersten Buch geht es um einen lange zurückliegenden Vermisstenfall. Sein jüngerer Halbbruder wurde damals verdächtigt, musste aber wegen fehlender Beweise freigelassen werden. Beim zweiten Fall wird die Geschäftsführerin einer Datingfirma ermordet und ihre Schwester wird des Mordes verdächtigt. Im Laufe der Ermittlungen wird Adderley von seinem früheren Leben brutal eingeholt.
Diese nordischen Thriller sind packend geschrieben, teilweise mit recht komplexen Handlungen, unerwarteten Wendungen und vielen Rückblicken, kurz – ein mitreissendes Lesevergnügen!
Link zu «Der andere Sohn» in unserem Medienkatalog
Link zu «Die andere Schwester» in unserem Medienkatalog
Tipp von Christine Burlet, Leitung Mediothek Lachen
«Nastjas Tränen» von Natascha Wodin
Natascha Wodin erzählt die exemplarische Geschichte von Nastja, eine jener Osteuropäerinnen, die als Haushaltshilfen das Familienleben westlicher Gesellschaften stützen und nie wirklich Fuss fassen. Die ukrainische Tiefbauingenieurin Nastja kam nach Berlin, weil sie im wirtschaftlichen Chaos ihrer Heimat nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht mehr überleben konnte. Sie findet mehrere Putzjobs, schläft auf dem Sofa ihrer Schwester und bemerkt zu spät, dass ihr Touristenvisum abgelaufen ist. Unversehens ist sie eine Illegale. Es folgt ein Leben in vielen Wendungen, das immer auf der Kippe steht. Die Autorin zeichnet das Portrait dieser heimatlos Gewordenen mit einer gekonnten Mischung aus Humor, Anteilnahme und Distanz.
Link zu «Nastjas Tränen» in unserem Medienkatalog
Jugend-Tipp von Aline Burlet, Nutzerin Mediothek Lachen
«Ruby Fairygale. Der Ruf der Fabelwesen» von Kira Gembri
Ein Buch für Kinder, die gerne Tiergeschichten haben oder Abenteuergeschichten. Ruby lebt mit ihrer Grossmutter auf einer kleinen Insel in Irland. Die Grossmutter bildet Ruby zur Tierärztin aus. Doch es gibt ein grosses Geheimnis: auf der Insel gibt es auch magische Fabelwesen, die ihre Hilfe brauchen. Als ein rätselhafter Junge auftaucht, muss Ruby entscheiden, ob sie ihm vertrauen kann.
Die Geschichte ist spannend und es ist berührend, wie sich Ruby um die Fabelwesen sorgt. Es ist keine Liebesgeschichte, aber sehr gefühlvoll und emotional. Schön, wie nicht nur das Äussere zählt, hinter der rauen Fassade ist ein netter Kerl.
Link zu «Ruby Fairygale» in unserem Medienkatalog
Tipp von Christine Burlet, Leitung Mediothek Lachen
«Mutter. Chronik eines Abschieds» von Melitta Breznik
Leise, zärtlich, ehrlich: der schmale Band, in dem Melitta Breznik vom Sterben ihrer Mutter erzählt, ist ein eindrückliches Dokument. Die Ärztin und Psychiaterin Breznik fährt an einem Herbsttag zu ihrer Mutter in die Steiermark, um sie während einer vorübergehenden Unpässlichkeit, wie die Tochter denkt, zu unterstützen. Es folgt eine Krebsdiagnose, ohne Aussicht auf Heilung. Breznik bleibt bei der betagten Frau und übernimmt die Pflege. In Tagebuchform hält sie die langen Wochen des Abschieds fest. Die Autorin erzählt von den kleinen pflegerischen Handgriffen, die ihrer Mutter das Liegen erleichtern, von der eigenen Müdigkeit und Langeweile, vom einsamen Zurückblicken auf gemeinsame Zeiten, und von dem grossen Respekt und der Liebe, die die zwei Frauen bis zum Ende verbindet.
Link zu «Mutter. Chronik eines Abschieds» in unserem Medienkatalog